Trick zur sicheren Bildung des Imperativs (der Befehlsform)

So bildet man den Imperativ lt. DUDEN

So bildet man den Imperativ lt. DUDEN

Auf www.duden.de/sprachwissen verunsichert der DUDEN seine Leser mit einer überaus fragwürdigen und letztlich falschen Methode, den Imperativ zu bilden, indem er die Befehlsform mit der Verbform der 1. Person Singular Präsens des betreffenden Verbs gleichsetzt (s. Bild).

Imperativ lt. DUDEN

Der DUDEN geht also von der 1. Person Singular Präsens des betreffenden Verbs aus, also z. B. „Ich reiche ihm das Glas“. Bei den von DUDEN gewählten Beispielen „Reiche mir das Glas!“ (von: „Ich reiche …“) und „Ziehe dich an!“ (von: „Ich ziehe …“) mag diese Vorgehensweise noch zum richtigen Ergebnis führen.

Was aber passiert bei den klassisch falsch gebildeten Befehlsformen der Verben essen, nehmen, lesen, helfen, versprechen und sehen? Bildet man für diese Verben den Imperativ nach der DUDEN-Regel, heißt es folglich unrichtig: „Esse deinen Teller leer!“, „Nehme ein Taxi!“, „Lese das Buch!“, „Helf mir mal!“, „Versprech es mir!“, „Seh dir das an!“!

Wenn schon der DUDEN von falschen Voraussetzungen bei der Imperativ-Bildung ausgeht, verwundert es wahrlich nicht, dass diese „Klassiker“ nicht auszurotten sind.

Alternative Methode der Imperativ-Bildung

Die Befehlsform richtet sich immer an eine einzelne Person oder an eine Personengruppe, weshalb zwischen dem Imperativ Singular und dem Imperativ Plural zu unterscheiden ist.

Dies gilt auch für die Bildung der Befehlsform:

Der Imperativ Plural ist sehr einfach zu bilden, indem man immer von der 2. Person Plural Präsens ausgeht, also z. B. „Ihr helft bei der Gartenarbeit.“; die Befehlsform lautet folglich „Helft bei der Gartenarbeit!“.

Für den Imperativ Singular gibt es ebenfalls eine sehr einfache Vorgehensweise, die nur in überschaubaren Ausnahmefällen nicht zum richtigen Ergebnis führt (dazu unten mehr). Für alle anderen Verben gilt Folgendes: Ausgehend von der Verbform der 3. Person Singular Präsens (z. B. „Er geht einkaufen.“) muss man nur das „t“ ersatzlos streichen; die Befehlsform lautet dann „Geh einkaufen!“.
Mit dieser Variante kann der Imperativ auch bei jenen vermeintlich kritischen Verben richtig gebildet werden, deren Befehlsform leider so häufig zu Fehlern führt:

  • „Er isst ein Brot.“ (Befehlsform: „Iss ein Brot!“)
  • „Sie nimmt den Bus.“ (Befehlsform: „Nimm den Bus!“)
  • „Es (das Kind) liest ein Buch.“ (Befehlsform: „Lies ein Buch!“)
  • „Er hilft mir.“ (Befehlsform: „Hilf mir!“)
  • „Er verspricht es.“ (Befehlsform: „Versprich es!“)
  • „Er sieht sich das Foto an.“ (Befehlsform: „Sieh dir das Foto an!“)

Nun noch zu den angesprochenen Ausnahmen:

Die vorgestellte Variante führt bei den Hilfsverben haben (Imperativ: hab), sein (Imperativ: sei) und werden (Imperativ: werde) nicht zum richtigen Ergebnis. Auch bei Verben, die in der Grundform ein a beinhalten, das in der 3. Person Singular Präsens zu einem ä wird, funktioniert diese Regel nicht; hier bleibt das a auch in der Befehlsform erhalten. Als Beispiele seien waschen (er wäscht, Befehlsform: wasch(e)), laufen (er läuft, Befehlsform: lauf(e)) und halten (er hält, Befehlsform: halt(e)) genannt.